Alternde Gesellschaft

Die deutsche Gesellschaft erlebt seit Jahrzehnten eine tiefgreifende Veränderung ihrer Bevölkerungsstruktur, die sich auf folgende vereinfachte Formel bringen lässt: Die Zahl der in Deutschland lebenden jüngeren Menschen wird immer kleiner, während der Bevölkerungsanteil der älteren Menschen stetig zunimmt. Niedrige Geburtenraten und eine steigende Lebenserwartung sind die Hauptfaktoren dieser Entwicklung, die sich in den nächsten Jahrzehnten noch beschleunigen wird.

Obwohl in Deutschland dem Phänomen der alternden Gesellschaft von gesellschaftlicher und politischer Seite erst seit Mitte der 1990er Jahre vermehrt Beachtung geschenkt wird, ist es kein neues Thema. So belegt etwa eine Fülle an Dokumenten zur internationalen Altenpolitik, dass auf überstaatlicher Ebene schon lange darüber nachgedacht wird, wie den Herausforderungen alternder Gesellschaften zu begegnen ist bzw. welche Stellung ältere Menschen in diesen Gesellschaften innehaben (sollen).

Die Diskussion in Deutschland ist noch immer stark von negativ besetzten Begriffen, wie z.B. "Überalterung", geprägt. Sie blendet damit allerdings die Potenziale des Demografischen Wandels aus: die Lebenserwartung wird weiter steigen; vieles deutet darauf hin, dass die hinzugewonnenen Lebensjahre zu einem großen Teil in Gesundheit verbracht werden; die älteren Menschen sind heute gesünder und leistungsfähiger als ihre Altersgenossen vor 20 Jahren; eine veränderte Altersstruktur der Gesellschaft eröffnet Märkte für neue Produkte, Wohnformen und Infrastrukturen.

Der Umgang mit der alternden Gesellschaft kann nur dann erfolgreich sein, wenn er nicht nur ihre – zweifellos bestehenden – Probleme thematisiert, sondern eben auch ihre Potenziale kreativ nutzbar macht.

Harald Wilkoszewski