Arbeitsmarkt

Arbeitsmarktpolitik und demografischer Wandel

Vorrangiges Ziel von Arbeitsmarktpolitik ist ein hoher Beschäftigungsstand und, vielfach damit verknüpft, die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit. Darüber hinaus zielt sie häufig auf die Gewährleistung von Chancengleichheit ab, denn auf dem Arbeitsmarkt besitzen verschiedene Gruppen unterschiedliche Beschäftigungsmöglichkeiten oder werden in Bezug auf ihre Lohnhöhe diskriminiert. Einzelne Bereiche der Arbeitsmarktpolitik versuchen deswegen Benachteiligungen aufgrund von Geschlecht, Qualifikation, Behinderung oder auch des Alters auszugleichen.

Beschäftigung und Bevölkerungsdynamik

Wie kann das Ziel einer hohen Beschäftigung bei rasch wachsender oder aber sinkender Bevölkerungsgröße erreicht werden? Die Arbeitsmarktpolitik steht in vielen Entwicklungsländern mit hohen Geburtenraten hier vor der Herausforderung, die zahlenmäßig großen jungen Generationen im Arbeitsmarkt unterzubringen. Dagegen wird das Thema der Zukunft in den meisten Industrieländern der Rückgang der Beschäftigtenzahlen sein, der durch geringe Geburtenzahlen und eine zunehmende Alterung der potentiellen Arbeitnehmer verursacht wird. Falls die institutionellen Rahmenbedingungen sich nicht verändern, ist beispielsweise in Deutschland davon auszugehen, dass die Zahl der Erwerbstätigen von im Jahr 2010 etwa 40,5 Mio. auf rund 39 Mio. im Jahr 2030 sinken wird. Das Erwerbspersonenpotenzial reduziert sich hingegen von rund 45 Mio. im Jahr 2008 je nach zugrunde gelegtem Szenario (Annahmen zur zukünftigen Erwerbsbeteiligung und zum Wanderungsgeschehen) auf etwa 37 Mio. in 2030 und weiter auf etwa 30 Mio. in 2050.
In der Arbeitsmarktpolitik werden deshalb unterschiedliche Strategien diskutiert, die helfen sollen, diesem Rückgang entgegenzuwirken: Die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren, der frühere Eintritt in das Erwerbsleben durch kürzere Ausbildungszeiten, der Abbau von Arbeitslosigkeit und die Erhöhung der Zuwanderung. Ob solche Maßnahmen erfolgreich sein können, hängt allerdings davon ab, ob das so geschaffene Arbeitsangebot den Qualifikationsanforderungen der Stellen entspricht, die aufgrund des demografischen Wandels frei geworden sind. Ferner ist davon auszugehen, dass die erwähnten Maßnahmen den Trend nur abschwächen können. Folglich sollte insbesondere der Übergangsprozess positiv gestaltet werden.

Chancengleichheit zwischen den Generationen

Sind besonders stark besetzte Generationen, wie die sogenannten Baby-Boomer der 60er Jahre, auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt, weil die Konkurrenz um Jobs hier besonders hoch ist? Oder sind sie im Vorteil, weil die Lasten, z.B. der Zahlungen an die aktuelle Rentnergeneration, auf vielen Schultern verteilt werden können? Die Frage, ob die Arbeitsmarktchancen gerecht verteilt sind, wird aber bei anhaltender Zunahme des Anteils von älteren Beschäftigten besonders zwischen Jung und Alt an Bedeutung gewinnen. Können eine mögliche Diskriminierung von älteren Arbeitssuchenden und eine hohe Jugendarbeitslosigkeit unter der Bedingung des demografischen Wandels (fort)bestehen? Eng damit verbunden ist die Frage nach der altersspezifischen Leistungsfähigkeit im Job. Sie stellt die großen Erfahrungen von Älteren einer hohen Lernbereitschaft von Jungen gegenüber. Daraus folgt, dass Bildungspolitik und lebenslanges Lernen eng mit der Arbeitsmarktpolitik verbunden sind.

Die Bedeutung der Arbeitsmarkpolitik im Demografischen Wandel

Welche Rolle spielt der Demografische Wandel insgesamt für die aktuellen Entwicklungen auf den Arbeitsmärkten? Ein Großteil der Probleme, wie eine hohe Arbeitslosigkeit, ist hauptsächlich auf andere Ursachen zurückzuführen. Allerdings fungiert die Alterung der Gesellschaft häufig als Katalysator, der die aktuellen Missstände deutlicher zu Tage treten lässt. Sind beispielsweise die Barrieren bei Eintritt in den Arbeitsmarkt besonders hoch, werden hiervon vor allem gering Qualifizierte, aber auch die jungen und alten Beschäftigten besonders betroffen sein. Daraus folgt, dass eine Arbeitsmarktpolitik vor dem Hintergrund des Demografischen Wandels, sich die verändernde Bevölkerungsstruktur zum Anlass nehmen muss, mehr als bisher nach individuellen Lösungen mit mehr Flexibilität für die einzelnen Bevölkerungsgruppen zu suchen. Anderenfalls werden die Ziele einer hohen Beschäftigung und einer Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt kaum erreicht werden.

Pascal Hetze
Überarbeitung: Stephanie Mohneke