Bildungspolitik

Bildungspolitik und demografischer Wandel

Ein Großteil der vom Staat, von den Unternehmen und von den privaten Haushalten getätigten Ausgaben für Bildung kommt den jungen Menschen in einer Gesellschaft zugute. Das liegt zum einen daran, dass Lernen in der Jugend durch eine schnelle Auffassungsgabe besonders produktiv ist. Zum anderen ist es sinnvoll, seine Fähigkeiten möglichst früh zu entwickeln, um sie dann im Laufe seines Lebens möglichst lange nutzen zu können. In den meisten Industrieländern sinkt allerdings der Anteil junger Menschen und gleichzeitig verlängert sich die individuelle Lebenszeit deutlich. Die Bildungspolitik muss diesen veränderten Bedingungen begegnen, will man nicht riskieren, dass eine alternde Gesellschaft immer weniger an der Verbreitung neuen Wissens teilhaben kann.

Lebenslanges Lernen

In vielen öffentlichen Diskussionen wird die Idee des lebenslangen Lernens propagiert, aber ist sie auch schon in der Realität angekommen? Lange Zeit konzentrierte sich die berufliche Weiterbildung von Erwerbstätigen im hohen Maße auf Beschäftigte unter 50 Jahren. Im Jahr 2000 nahm jeder Dritte dieser Altersgruppe, aber nur jeder Fünfte über 50, an beruflicher Weiterbildung teil. Zehn Jahre später waren es hingegen etwa 40% der jüngeren Gruppe und bereits ein Drittel der älteren Gruppe. Damit zeichnet sich eine Tendenz in Richtung lebenslanges Lernen ab. Und dieses wird zweifelsohne bei einer steigenden Lebenserwartung, insbesondere bei längerer Lebensarbeitszeit, verlangt, damit die Menschen berufliche und private Perspektiven bis ins hohe Alter verwirklichen können. Das schließt die Behandlung folgender Fragen mit ein: Wie können altersgerechte Lehr- und Lernkonzepte aussehen? Und wie kann altersunabhängig die Bereitschaft von Unternehmen und Arbeitnehmern gefördert werden, in neues Wissen und neue Fähigkeiten zu investieren?

Weniger Kinder: Weniger Ausbildungskosten?

Ist der Demografische Wandel eine Chance, um Bildungsausgaben zu sparen, wenn aufgrund des Geburtenrückgangs immer weniger Kinder unsere Schulen und Universitäten besuchen? Auf der Ausgabenseite des Staates steht Bildungspolitik häufig in Konkurrenz zu anderen Politikbereichen, zumal ihr Ertrag erst in der Zukunft liegt. Allerdings steigt die Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften kontinuierlich an. Geringere Ausgaben für Bildung stehen also dem Ziel entgegen, einen Mangel an Fachkräften in der Zukunft zu vermeiden. In Verbindung mit der Finanzierung von Bildung stellt sich auch die Frage, wie Bildung in schrumpfenden Räumen organisiert werden kann. Gebäude, Lehrmittel und Personal können nicht eins zu eins mit der schwindenden Zahl an Schülern abgebaut werden. Das führt zu relativ steigenden Kosten, oder zur Schließung der entsprechenden Einrichtungen, wenn insbesondere ländliche Räume Einwohner verlieren. Die Bildungspolitik muss deswegen neue Strategien diskutieren, um eine konstant hohe Qualität der Bildung auch in der Breite zu sichern. Stichworte sind hier E-learning und altersgruppenübergreifender Unterricht.

Integration als bildungspolitisches Ziel

Eine weitere Herausforderung an die Bildungspolitik stellt die Integration von Kindern aus Zuwandererfamilien dar. Einwanderung ist für fast alle entwickelten Länder Realität, und vor dem Hintergrund sonst rückläufiger Bevölkerungsgröße auch häufig erwünscht. Dennoch besteht häufig eine deutliche Diskrepanz in den Schulleistungen von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund. Das Schließen dieser Lücke verspricht ein großes Potential in der Nutzung der Ressource Bildung zu sein. Für einige Länder und Regionen gilt es hingegen vor allem, den so genannten brain drain zu verhindern, nämlich die Abwanderung junger gut ausgebildeter Menschen in Richtung wirtschaftlich prosperierender Regionen.

Pascal Hetze
Überarbeitung: Stephanie Mohneke