Gesundheitspolitik

Nach der Sterbetafel 2010/12 erreichen etwas mehr als die Hälfte aller Frauen und rund ein Drittel aller Männer das 85. Lebensjahr, 100 Jahre zuvor waren es lediglich 5 Prozent der Frauen und 3 Prozent der Männer. Diese Erfolgsgeschichte scheint allerdings mit hohen Kosten insbesondere durch die Behandlung von Multimorbidität verbunden. Die Kostenexplosion im Gesundheitswesen wird daher häufig auf die demografische Entwicklung zurückgeführt. Für das Jahr 2050 wird ein Anstieg der Beitragssätze der gesetzlichen Krankenkassen je nach Szenario auf 24 bis 43 Prozent erwartet.

Allerdings führt die demografische Entwicklung, für sich genommen, zu einer weitaus moderateren Erhöhung der Beitragssätze. Die Differenz lässt sich dem medizinischen Fortschritt zuschreiben, der immer bessere, aber eben auch immer teurere Behandlungen eröffnet. Hier besteht ein Handlungsspielraum für gesundheitspolitische Maßnahmen, dessen Ausnutzung allerdings weit reichende Entscheidungen über Angebot oder Rationierung bestimmter medizinischer Leistungen (z.B. der intensivmedizinischen Betreuung Hochbetagter) mit sich bringt.

Die Zahl der Pflegebedürftigen dürfte sich Prognosen zufolge von 2,2 Millionen im Jahr 2007 bis 2050 fast verdoppeln. Bis Ende 2013 ist die Anzahl bereits auf 2,63 Millionen gestiegen. Von den pflegebedürftigen Menschen wird weniger als ein Drittel (29%) in einem Pflegeheim betreut und somit die Mehrheit zu Hause versorgt; selbst von den relativ stark Pflegebedürftigen im Alter von über 85 Jahren sind es noch rund 65 Prozent. Es bleibt zu sehen, ob Pflege in Zukunft stärker in Heimen stattfindet, weil jüngere Familienangehörige immer weniger als informelle Pfleger zur Verfügung stehen. Gesundheitspolitischer Handlungsbedarf besteht hier bei der institutionellen Ausgestaltung des Pflegeangebotes sowie bei der Sicherstellung einer ausreichenden Kapazität und Finanzierung; dies unter Gesichtspunkten der Effizienz, der sozialen Gerechtigkeit und der Nachhaltigkeit angesichts des demografischen Wandels.

Michael Kuhn
Überarbeitung: Stephanie Mohneke