Rente

Die Auswirkungen einer alternden Gesellschaft auf die Rentenpolitik sind besonders offensichtlich. Deshalb wurde hier im Vergleich zu anderen Politikbereichen der Einfluss des Demografischen Wandels schon relativ frühzeitig diskutiert. Während im Jahr 1980 nur rund 27 über 65-jährige Personen auf 100 Personen zwischen 20 und 64 Jahren entfielen, wird das Verhältnis im Jahr 2030 etwa 53:100 betragen und bis 2060 auf etwa 67:100 ansteigen. Gegenwärtig liegt dieser so genannte Altenquotient bei 34:100. Es verwundert daher nicht, dass das Vertrauen in die gesetzliche Rente gering ist. Nur wenige Bundesbürger glauben, im Alter mit der gesetzlichen Rente ihren Lebensstandard halten zu können.

Demografischer Wandel und Rentenversicherung

In Deutschland wird die Rente über das so genannte Umlageverfahren finanziert. Dabei kommen die Erwerbstätigen durch ihre Beitragszahlungen zur Rentenversicherung für die laufenden Zahlungen an die Rentnergeneration auf (Generationenvertrag). Ein auf dem Umlageverfahren basierendes Rentensystem ist besonders anfällig für demografische Verschiebungen, die sich aus einer sinkenden Geburtenrate und zunehmender Lebenserwartung ergeben: Wenn immer weniger Beitragszahler für immer mehr Rentner aufkommen müssen, sinken die Einnahmen der Rentenkasse bei gleichzeitig steigenden Ausgaben. Bisher sind die Belastungen durch die zunehmende Rentenbezugsdauer entstanden. Ein früher Eintritt in die Rente und eine steigende Lebenserwartung haben dazu geführt, dass die durchschnittliche Rentenbezugsdauer zwischen 1960 und 2013 von circa zehn auf 17 Jahre bei Männern und über 21 Jahre bei Frauen gestiegen ist. In Zukunft werden auch die geringen Geburtenzahlen seit Ende der 1960er Jahre dazu beitragen, dass die Zahl der Beitragszahler in Relation zu den Rentenempfängern abnimmt.

Bereits zum jetzigen Zeitpunkt reichen die Einnahmen aus den Beiträgen der Versicherten nicht, um die Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland zu decken. Deshalb bezuschusst der Staat die Rentenkasse aus Steuermitteln. Im Jahr 2005 waren dies rund 80 Milliarden Euro, 2010 knapp eine Milliarde mehr. Allerdings ist die heutige schwierige Situation des Rentensystems auch auf nicht-demografische Faktoren zurückzuführen: eine schwache Konjunktur, die Einbeziehung versicherungsfremder Leistungen und den staatlich gesetzten Anreiz zur Frühverrentung. Die eigentlichen Herausforderungen durch den Demografischen Wandel werden erst nach und nach vollständig zum Tragen kommen.

In den vergangenen Rentenreformen wurde bereits versucht, den demografischen Entwicklungen Rechnung zu tragen: Beispielsweise wurde die sukzessive Absenkung des Netto-Rentenniveaus (vor Steuern) des idealtypischen „Eckrentners“ (45 Jahre sozialversicherungspflichtig beschäftigt) durch die Einführung des Riester- und Nachhaltigkeitsfaktors von 53,1 Prozent im Jahr 2004 auf 46 Prozent bis 2020 und auf 43 Prozent bis 2030 beschlossen.
Die erwähnte Riester-Rente dient dabei dazu die entstehenden Versorgungslücken schließen zu helfen. Mit ihr wurde eine zusätzliche, kapitalgedeckte Säule der Altersversorgung eingeführt. Beim Kapitaldeckungsverfahren werden die Beitragszahlungen auf einem individuellen Konto verwaltet und kommen später dem Beitragszahler selbst in Form von Rentenzahlungen zu Gute. Langfristig soll also auch in Deutschland wie beispielsweise in Dänemark, der Schweiz oder den Niederlanden das Rentensystem auf einem breiteren Fundament stehen: Der Generationenvertrag wird verstärkt um die private und betriebliche Altersversorgung ergänzt.
Weiterhin wurde das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre angehoben.

Dem stehen die Anreize einer Frühverrentung durch die abschlagsfreie Rente mit 63 bzw. 65 Jahren entgegen. Die Wirkung dieser Maßnahmen bleibt jedoch abzuwarten, da die Arbeitsmarktbeteiligung Älterer (55- bis 64-Jährige) mit 58% im Jahr 2010 verhältnismäßig gering ist und das durchschnittliche Rentenalter mit etwa 61 Jahren gegenwärtig weit unter 67 liegt. Die Auswirkungen der Anhebung des Renteneintrittsalters werden in voller Konsequenz wahrscheinlich die Jahrgänge 1965 und jünger treffen. Doch auch die heutigen und zukünftigen Rentner werden vermutlich durch eine Stagnation des Rentenniveaus oder eine Erhöhung der Sozialabgaben betroffen sein.

Die Belastungen, vor die uns die demografische Entwicklung stellt, können nur getragen werden, wenn sie auf viele Schultern verteilt werden. Bei all den Diskussionen darf nicht vergessen werden, dass Rentenpolitik nur Hand in Hand mit einer entsprechenden Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik gehen kann. Auf lange Sicht – aber nicht auf die lange Bank geschoben – kann sie außerdem nur auf der Basis einer innovativen und schlagkräftigen Familienpolitik Bestand haben.

Katharina Frosch
Überarbeitung: Stephanie Mohneke